Grippeschutzimpfung


Derzeit gibt es die Möglichkeit einen Injektions-Totimpfstoff und einen nasalen Lebendimpfstoff (LAIV) zu verabreichen

Grippeschutzimpfung



Liebe Eltern, liebe Kinder, liebe Familien,
die Grippesaison 2018/19 steht vor der Tür. Derzeit gibt es die Möglichkeit einen Injektions-Totimpfstoff und einen nasalen Lebendimpfstoff (LAIV) zu verabreichen. Neu in dieser Saison ist erfreulicherweise, dass nun endlich allen Patienten ein Vierfach-tetravalenter Grippeimpfstoff zur Verfügung steht. Eltern werden selbstverständlich ebenfalls geimpft.

Impfstoffstammzusammensetzung 2018/2019



Der Influenzaimpfstoff für die Saison 2018/2019 setzt sich gemäß der Empfehlungen der WHO und des Ausschusses für Humanarzneimittel (CHMP) bei der Europäischen Arzneimittelagentur (EMA) aus den Antigenen weltweit zirkulierender Varianten folgender Viren zusammen:

A/Michigan/45/2015 (H1N1) pdm09- ähnlicher Stamm
A/Singapore/INFIMH-16-0019/2016 (H3N2)- ähnlicher Stamm
B/Colorado/06/2017- ähnlicher Stamm (B/Victoria/2/87-Linie)
Für quadrivalente (Vierfach-tetravalente) Impfstoffe werden die Antigene der oben genannten Viren sowie eine Variante von B/Phuket/3073/2013 - ähnlicher Stamm (B/Yamagata/16/88-Linie) - empfohlen.

A und B bezeichnen die Virustypen, der Ortsname bezieht sich auf den Ort der Virusisolierung; die erste Ziffer gibt die Nummer des jeweils isolierten Stamms an, die zweite bezieht sich auf das Isolierungsjahr. Mit H und N werden die beiden wichtigsten Proteine der Virushülle Hämagglutinin und Neuraminidase abgekürzt, die Ziffer dahinter bezeichnet den aktuellen Hämagglutinin- bzw. Neuraminidase-Subtyp.

Diese Stammzusammensetzung 2018/19 weicht von der der Saison 2017/2018 ab.



Vierfach-tetravalenter Grippeimpfstoff:

Für die kommende Saison wurden wieder Rabattverträge zwischen den gesetzlichen Krankenkassen und den Herstellern von Grippeimpfstoffen geschlossen. Die Zuschläge beschränken sich in dieser Saison in Schleswig-Holstein auf folgende Hersteller teravalenter Impfstoffe:

  • Influsplit Tetra 2018/19 (GlaxoSmithKline GmbH & Co. KG) {Influenza-Spaltimpfstoff, (Virusimpfstoff, inaktiviert) intramuskulär, Verwendung ab einem Lebensalter von 6 Monaten mit folgenden Typen: A/Michigan/45/2015 (H1N1) pdm09- ähnlicher Stamm, A/Singapore/INFIMH-16-0019/2016 (H3N2)- ähnlicher Stamm, B/Colorado/06/2017- ähnlicher Stamm (B/Victoria/2/87-Linie), B/Phuket/3073/2013 - ähnlicher Stamm (B/Yamagata/16/88-Linie)
  • Vaxigrip Tetra 2018/19 (Sanofi-Aventis Deutschland GmbH) {Influenza-Spaltimpfstoff (Virusimpfstoff, inaktiviert) intramuskulär, subcutan, Verwendung ab einem Lebensalter von 6 Monaten mit folgenden Typen: A/Michigan/45/2015 (H1N1) pdm09- ähnlicher Stamm, A/Singapore/INFIMH-16-0019/2016 (H3N2)- ähnlicher Stamm, B/Colorado/06/2017- ähnlicher Stamm (B/Victoria/2/87-Linie), B/Phuket/3073/2013 - ähnlicher Stamm (B/Yamagata/16/88-Linie)}


  • Die Impfung gegen Influenza mit einem saisonalen Impf­stoff wird von der Ständigen Impf­kommis­sion (STIKO) für Kinder mit erhöhter gesund­heit­licher Gefährdung infolge eines Grund­leidens ab einem Alter von 6 Monaten empfohlen. In der Regel ist für Kinder im Alter von 6 bis <36 Monaten die halbe Erwachsenen­dosis, ab einem Alter von 36 Monaten die volle Erwachsenen­dosis indiziert. Die beiden tetravalenten Totimpfstoffe sind jetzt ab einem Alter von 6 Monaten zugelassen. Kinder bis zu einem gewissen Alter (nach den Fach­infor­ma­tionen der meisten Influenza­impf­stoffe bis 9 Jahre), die zum ersten Mal im Leben gegen Influenza geimpft werden, erhalten zwei Impfungen im Abstand von vier Wochen.

    Vierfach-tetravalenter Grippe-Lebendimpfstoff:
    Neben den tetravalenten Totimpfstoffen ist auch ein tetravalenter Lebendimpfstoff (LAIV) verfügbar, der über die Nase verabreicht wird und alternativ bei Kindern und Jugendlichen im Alter von 2 bis einschließlich 17 Jahren angewandt werden kann.
    Der nasale Grippeimpfstoff (Fluenz tetra 2018/19) besteht aus folgenden Typen: Influenza Virus Type A,
    H1N1 / Influenza Virus A, H3N2 / Influenza Virus Type B (Victoria lineage) / Influenza Virus, Type B (Yamagata lineage)

    Verwendung ab einem Lebensalter von 2 Jahren bis einschließlich 17 Jahren.

    Die Ständige Impfkommission (STIKO) empfiehlt keine präferen­zielle Ver­wendung einer bestimmten Impf­stoff­klasse oder eines bestimmten Impf­stoff-Produkts.
    Während einer Influenza­saison zirkulieren üblicher­weise mehrere verschiedene Influenza-Stämme. Eine genaue Vorher­sage darüber, welche Influenza-Stämme in welchem Verhältnis zueinander zirkulieren, ist jedoch nicht möglich.


    Stillen und Grippeimpung

    Das Stillen eines Säuglings stellt für eine Influenzaimpfung, wie auch für alle anderen Impfungen außer der Gelbfieber-Impfung, keine Kontraindikation dar. Stillende Mütter können sich dementsprechend gegen Influenza impfen lassen. Bei der Impfung von Stillenden spielt – neben dem Schutz der Mutter – auch die Überlegung eine Rolle, indirekt auch den Säugling vor einer möglichen Infektion durch die Mutter zu schützen.

    Allgemeine Informationen, Hinweise der WHO und Vorgehen in anderen Ländern/Bundesländern

    Weltweit erkranken jedes Jahr 20-30% aller Kinder an Grippe. Damit ist die Erkrankungshäufigkeit 2-3 mal so hoch wie in der Gesamtbevölkerung. Kinder tragen wesentlich zur Ausbreitung der Erkrankung bei, indem sie sich v. a. in Gemeinschaftseinrichtungen untereinander anstecken und Geschwister, Eltern und Großeltern infizieren. Säuglinge und Kleinkinder haben zudem ein besonders hohes Risiko, schwer an Grippe zu erkranken. Gesunde Kinder können ebenfalls schwer erkranken. Rund 50% der Krankenhausbehandlungen und etwa 50% der Todesfälle betreffen Kinder ohne Risikofaktoren.

    Diese hohe Krankheitslast veranlasste die WHO 2012, eine Erweiterung der nationalen Impfempfehlungen auf alle Kinder im Alter von 6-59 Monate auszuweiten und ab 24 Monaten LAIV zu verwenden.
    In den USA besteht seit 2008/09 eine Influenza-Impfempfehlung für alle Personen ab 5 Jahren, diese wurde 2010 auf alle Personen ab 6 Monaten ausgeweitet.
    In Großbritannien wird seit 2014 allen Kindern zwischen 2 und 17 Jahren die saisonale Grippeimpfung mit dem LAIV empfohlen.
    Die deutsche STIKO behält die Einschränkung der Impfempfehlung auf diejenigen Kinder, die infolge eines Grundleidens einer erhöhten gesundheitlichen Gefährdung ausgesetzt sind bei.

    Die Sächsische Impfkommission hat dagegen bereits eine allgemeine Impfempfehlung ausgesprochen. Sie rät zu einer generellen Impfung von Kindern ab 6 Monaten, Jugendlichen und Erwachsenen. Sie schloss sich 2016/17 allerdings der Stellungnahme der Ständigen Impfkommission (STIKO) am Robert Koch-Institut vom 22. September 2016 (Epid. Bull. 39/2016) zur Anwendung von Influenza-Lebendimpfstoffen bei Kindern in der Saison 2016/2017 an:
    "Die Influenza-Impfung in der Altersgruppe von 2 bis 17 Jahren kann in der Saison 2016/2017 sowohl mit einem inaktivierten Injektionsimpfstoff (inactivated influenza vaccine, IIV) als auch mit dem attenuierten (abgeschwächten) nasalen Lebendimpfstoff (live attenuated influenza vaccine, LAIV) vorgenommen werden.

    Die bevorzugte Empfehlung von LAIV beruhte auf einer Analyse von randomisierten Vergleichsstudien von LAIV und IIV, in denen sich eine signifikant bessere Wirksamkeit des damals trivalenten LAIV im Vergleich zum trivalenten IIV bei Kindern im Alter von 2 bis 17 Jahren gezeigt hatte. Allerdings wurden diese Studien alle vor der Influenza-Pandemie 2009 durchgeführt, und der damals zirkulierende Subtyp A/H1N1 entspricht nicht dem seit 2009 zirkulierenden pandemischen Influenzavirus A/H1N1pdm2009. Daten aus den letzten Influenzasaisons weisen darauf hin, dass LAIV gegen das derzeit zirkulierende A/H1N1pdm2009 eine geringe Wirksamkeit besitzt.

    In England, Kanada und Finnland erhobene Daten zeigten keine eindeutigen Effektivitätsunterschiede zwischen LAIV und IIV. Daher wird LAIV in der nächsten Saison weiterhin empfohlen. Eine plausible wissenschaftliche Erklärung für die reduzierte Wirksamkeit von LAIV gegen A/H1N1pdm2009 bzw. für die widersprüchlichen Ergebnisse aus einzelnen Ländern gibt es derzeit nicht.

    Hinsichtlich der Effektivität von LAIV gegen Influenza A/H3N2 und B fanden sich in verschiedenen Studien teilweise widersprüchliche Ergebnisse, so dass derzeit kaum einschätzbar ist, ob einer der beiden Impfstofftypen (LAIV bzw. IIV) einen Wirksamkeitsvorteil gegenüber dem jeweils anderen bietet. In Bezug auf den Schutz vor Influenza-B-Viren muss zusätzlich berücksichtigt werden, dass in Deutschland LAIV als quadrivalente (also mit zwei Influenza-B-Stämmen) Formulierung vertrieben wird.

    Auf Basis der seit Kurzem verfügbaren aktuellen Daten kommen STIKO und SIKO zu dem Schluss, dass bei Kindern im Alter von 2 bis 17 Jahren eine Überlegenheit von LAIV gegenüber IIV derzeit nicht belegt ist und IIV und LAIV gleichwertig angewendet werden können. Bei Vorliegen neuer Daten kann die Empfehlung wieder modifiziert werden."

    Die bevorzugte Empfehlung für die Verwendung von LAIV in der Altersgruppe 2 bis 17 Jahre wurde für die bereits für die Saison 2016/17 ausgesetzt und die diesbezügliche Formulierung „Bei Kindern und Jugendlichen im Alter von 2 bis einschließlich 17 Jahren sollte LAIV bevorzugt angewendet werden.“ aus der Impfempfehlung gestrichen.


    Informationen des Robert Koch Instituts zur Grippeschutzimpfung


    Informationen der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung zur Grippeimpfung von Kindern

    Informationen der Bundeszentrale für gesundheitlliche Aufklärung zur Grippeimpfung von Jugendlichen

    Informationen der Bundeszentrale für gesundheitlliche Aufklärung zur Grippeimpfung von Erwachsenen


    Aus aktuellem Anlass noch zwei wichtige Informationen des Paul-Ehrlich-Instituts:

    1.) Kann es bei einer Verabreichung von Impfstoffen, die unter Verwendung von Hühnereiern hergestellt wurden, zu einer Gefährdung durch Fipronil kommen?

    Eier, die für die Anzucht von Influenza-Viren zur Produktion von Grippeimpfstoffen genutzt werden, stammen nicht aus den üblichen Hühnerbetrieben, in denen Eier für den Verzehr produziert werden. Es gibt spezielle Zuchtbetriebe, für die besondere Qualitätsanforderungen gelten und die entsprechend überwacht werden.

    Nach der Anzucht der Viren werden diese aus den Hühnereiern isoliert und in mehreren Schritten aufgereinigt. Dieser aufwändige Reinigungsprozess ist so effektiv, dass höchstens noch Spuren von Hühnereiweiß im Impfstoff enthalten sind und auch andere mögliche Verunreinigungen dabei entfernt werden.

    Das Europäische Arzneibuch schreibt vor, dass im fertigen Impfstoff noch maximal 1µg (1/1000mg) Hühnereiweiß pro Impfdosis nachzuweisen sein darf.

    Es kommt hinzu, dass Fipronil lipophil (fettliebend) ist und sich daher eher im Eidotter anreichert, als im Eiklar oder in Assoziation mit Hühnereiweiß.

    Vor dem Hintergrund, dass
    selbst ein Kleinkind ein ganzes Ei pro Tag essen könnte, ohne dass der oben angegebene gesundheitliche Richtwert überschritten wird,
    Eier für die Impfstoffproduktion in speziellen, besonders kontrollierten Betrieben produziert werden,
    die Impfstoffe aufwändig gereinigt werden
    und dass in einer Impfstoffdosis maximal 1µg Hühnereiweiß/Dosis enthalten sein darf
    ist nicht davon auszugehen, dass es nach der Verabreichung von Impfstoffen, die unter Verwendung von Hühnereiern hergestellt wurden, zu einer Gefährdung durch Fipronil kommt.

    2.) Was ist bei der Influenza­impfung von Personen mit einer Hühner­eiweiß-Allergie zu beachten?

    Influenzaimpfstoffe werden üblicher­weise unter Verwendung von Hühner­eiern her­ge­stellt, so dass trotz Auf­reini­gung Spuren von Hühner­ei­weiß im Impf­stoff enthalten sein können. Hühner­ei­weiß­freie (in Zell­kulturen her­ge­stellte) Influenza­impf­stoffe werden im Gegen­satz zu früheren Saisons seit der Saison 2016/17 in Deutschland nicht mehr angeboten. Ein Import (nach AMG §73 Abs. 3) ist im Einzelfall möglich, allerdings ist auch die Verfüg­bar­keit in anderen EU-Ländern fraglich.
    Personen, die nur mit leichten Symptomen auf den Konsum von Hühner­ei­weiß reagieren, können mit allen zu­ge­lassenen Influenza-Impf­stoffen geimpft werden. Laut Empfehlung des CDC in den USA sind keine besonderen Über­wachungs­maß­nahmen erforderlich.
    Klinisch schwerwiegende Allergien (z.B. Anaphylaxie) gegenüber Hühner­ei­weiß sind selten. Bei Personen, bei denen eine ärztlich diag­nos­ti­zierte schwere Allergie gegen Hühner­ei­weiß vor­liegt, ist die Indi­ka­tion zur Impfung mit Hühner­ei-basier­ten Influenza­impf­stoffen streng zu stellen. Diese Personen sollten in einem Setting geimpft werden, in dem eine klinische Über­wachung nach der Impfung und die Be­hand­lung einer ggf. auftretenden ana­phy­lak­tischen Reaktion möglich sind.
    Eine Vielzahl von klinischen Studien weisen allerdings darauf hin, dass auch bei Personen mit Hühner­ei­weiß­allergie schwer­wiegende aller­gische Reaktionen auf eine Influenza­impfung selten sind, bzw. nicht häufiger auftreten als bei Personen ohne Hühner­ei­weiß­allergie.

    Um Voranmeldung per Tel. (0451/74004)/Fax (7070451) o. e-mail () wird gebeten.